Der Tarifvertrag – Was er darstellt und bedeutet

Der Tarifvertrag - Was er darstellt und bedeutet

Was ist ein Tarifvertrag?

Ein Tarifvertrag wird zwischen Arbeitgebern und Gewerkschaften ausgehandelt und schriftlich beschlossen. Es ist ein allgemein verbindlicher, rechtlich abgesicherter und einklagbarer Vertrag, der Arbeitgeber sowie Arbeitnehmer an die durch ihn festgelegten Bedingungen bindet. Auch jene, die den vertragschließenden Parteien, Gewerkschaften und Arbeitgeberverbänden nicht angehören.

Die Allgemeinverbindlichkeit wird auf Antrag der Tarifparteien vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales erklärt – Voraussetzung: Die tarifgebundenen Arbeitgeber müssen mindestens 50 Prozent der Arbeitnehmer im Tarifgebiet beschäftigen. Desweiteren muss die Allgemeinverbindlichkeitserklärung im öffentlichen Interesse geboten erscheinen.

Tarifautonomie – Sie gewährleistet den Tarifpartnern das selbstständige Aushandeln und Abschließen der Tarifverträge. Als im Grundgesetz verankerte Norm ist die Tarifautonomie unveränderbar; selbst der Staat verfügt über kein Eingriffsrecht.
Tarifvertragsarten – Der Tarifvertrag wird in drei Arten unterschieden:

(1) Der Mantel- oder Rahmentarifvertrag

(2) Der Lohn- bzw. Gehaltstarifvertrag

(3) Der Lohn- bzw. Gehaltsrahmentarifvertrag
Der Manteltarifvertrag (1) regelt die Arbeitsbedingungen, wie die Arbeits- und Urlaubszeit, Urlaubsgeld, Mehrarbeit, Pausen und Kündigung. Manteltarifverträge haben eine mehrjährige Laufzeit, während Lohn- und Gehaltstarifverträge (2) in der Regel nur ein Jahr gelten. Letztere legen die Höhe der Entlohnung fest und können auch Zuschläge für den Arbeitnehmer beinhalten, wie es beispielsweise bei außertariflichen Angestellten der Fall ist.

Durch diese Aufteilung der beiden Vertragsarten müssen bei der jährlichen Lohnanpassung die Inhalte des Manteltarifvertrags nicht jedes Mal neu verhandelt werden.

Lohn- und Gehaltsrahmentarifverträge (3) regeln Bereiche der Entlohnung, die länger unverändert bleiben, wie zum Beispiel die Bezeichnung der Tarifgruppen sowie die Grundsätze der Arbeitsbewertung. Auch hier kann der Arbeitnehmer von Branchenzuschlägen profitieren.

Warum ist der Tarifvertrag so wichtig?

Tarifverträge regeln als sogenannte Kollektivverträge maßgeblich den Arbeitsmarkt und somit die Beziehungen zwischen Arbeitnehmer- als auch Arbeitgeberseite. Denn die Vereinbarungen des Tarifvertrages sind für beide Parteien verbindlich und erfüllen jeweils essentielle Funktionen.

Sicherheit für den Arbeitnehmer – Für den Angestellten ist vor allem die Schutzfunktion von größter Bedeutung. Der Tarifvertrag sichert dem Arbeitnehmer wichtige Rechte, eine Absicherung und eine gewisse Unabhängigkeit gegenüber dem Arbeitgeber. Denn die Bedingungen seiner Arbeit basiert auf den Bestimmungen des klar geregelten Vertrages, nicht auf denen des jeweiligen Unternehmens.

Der Vorteil der Beschäftigten eines Unternehmens besteht also in der Verbindlichkeit des Tarifvertrags, die ihm den zugesagten Branchenlohn und -bedingungen gewährleisten. Neben der verbindlichen Festlegung und Regelung von Mindestleistungen, garantiert ihm der Tarifvertrag eine gewisse Nachhaltigkeit. Im Gegensatz zum einzelnen Arbeitsvertrag eines Arbeitnehmers, ist der Tarifvertrag für eine festgelegte Dauer gültig und darf in dieser Zeit auch nicht verändert werden.

Arbeitnehmerzusammenschluss – Viele Arbeitnehmergruppen schließen sich zu Gewerkschaften zusammen, um ihre Interessen dem Arbeitgeber gegenüber mit größerer Gewichtung durchsetzen können. Wenn die Forderung nach verbesserten Arbeitsbedingungen, mehr Gehalt oder Gewinnbeteiligung durch Verhandlungen nicht angenommen werden, drohen die Verbände mit Streik. Bei fortwährendem Weigern von Seiten der Unternehmen, treten die Arbeitnehmer in einen Arbeitskampf. Meist in Form des angedrohten Streiks – Das wirkungsvollste Mittel im Kampf der Interessen. Die Arbeitsniederlegung zieht dabei, je nach Branche, oft schwerwiegende Auswirkung auf den laufenden Betrieb mit sich.

Wie stark eine Gewerkschaft ist, hängt von der Zahl ihrer Mitglieder ab. Die Grundformel ist einfach: Je mehr Mitglieder sich engagieren, desto größer ist die Durchsetzungskraft und desto besser ist der Tarifvertrag.

Praktische Standarisierung – Auch die Arbeitgeberseite genießt Vorteile durch den Abschluss eines Tarifvertrages. Er vereinfacht den Abschluss von Arbeitsverträgen, da nicht alle Einzelheiten gesondert beschlossen werden müssen. So erspart die festgelegte Regelung eines Vertrages permanente Verhandlungen mit neuen Mitarbeitern über Lohn, Zuschläge und Urlaubsansprüche sowie den daraus entstehenden Zeit- und Arbeitsaufwand.

Aus personalpolitischer Sicht werden zudem Ungerechtigkeiten unter der Belegschaft vermieden, da in der gleichen Gruppe von Arbeitnehmern auch die gleichen Rechte und Bedingungen gelten. Diese Gleichstellung unter Arbeitnehmern trägt wesentlich zu einem friedlichen Arbeitsklima eines Unternehmens bei und schafft die Grundlage für Gerechtigkeit sowie für Chancengleichheit zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern.

Fazit: Vorteile überwiegen

Vor allem für die Arbeitnehmerseite überwiegen eindeutig die Vorteile des Tarifvertrags, da dieser ihnen essentielle Rechte und Sicherheiten garantieren.

Kritiker des Tarifvertrages bemängeln starre und undifferenzierte Strukturen, die er durch seine Standarisierung mit sich zöge. Dabei wurde unlängst festgelegt, dass für einzelne Arbeitnehmer auch übertarifliche Löhne vereinbart werden können, wenn zum Beispiel das Aufgabengebiet des Mitarbeiters höhere Anforderungen stellt als die höchste tarifliche Beschäftigungsgruppe. Demnach darf ein Einzelarbeitsvertrag bessere, aber niemals schlechtere Regelungen für den Arbeitnehmer enthalten.

 


Quellentexte:

http://www.gehalt.de/arbeit/Tarifvertraege

http://www.absolventa.de/karriereguide/vertragsarten/tarifvertrag

http://www.karrierefaktor.de/was-regeln-tarifvertrage/#.VUzCRFX5eUk

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