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Eine wertvolle Generation - 50plus wird unterschätzt

Älterer Mann im braunen Mantel geht über einen Platz

Mit zunehmendem Alter wird die Arbeitssuche eine größere Herausforderung: Auf dem Stellenmarkt gehört die sogenannte Generation 50plus nicht mehr zwingend zur ersten Wahl. Ihre Leistungsfähigkeit wird in Frage gestellt und damit grundsätzlich auch ihr Wert als Arbeitskraft. Tatsächlich jedoch sind erfahrene Mitarbeiter angesichts des Fachkräftemangels enorm wichtig für die deutsche Wirtschaft – und ihre Generation hat viel zu bieten.

Reiner Hübner betreibt nahe Gummersbach einen kunststoffverarbeitenden Betrieb mit eigenem Werkzeugbau. Zur rund 30-köpfigen Belegschaft zwischen 17 und 61 Jahren gehören Fachkräfte, angelernte Mitarbeiter sowie Auszubildende. Die sogenannte Generation 50plus ist in der Firma besonders stark vertreten. Und das ist kein Zufall. Der Firmenchef sagt, dass er sich auf ältere Mitarbeiter einfach verlassen kann. Denn sie bringen neben ihrer Qualifikation auch die nötige Erfahrung, Routine und die richtige Einstellung zur Arbeit mit.

Die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) wünscht sich mehr Unternehmer, die wie Reiner Hübner denken. Sie hält die Beschäftigung von älteren Menschen allein schon wegen der demografischen Veränderungen und des zunehmenden Mangels an Fachkräften für unabdingbar.

Dabei ist Deutschland zusammen mit Schweden innerhalb der Europäischen Union bereits das Land mit dem größten Anteil von Erwerbstätigen zwischen 55 und 65 Jahren. Laut BDA-Berechnungen hat sich die Beschäftigtenquote dieser Personengruppe im Zeitraum von 2000 bis 2014 von 37 Prozent auf 66 Prozent fast verdoppelt.

Und trotzdem: „Ab einem bestimmten Alter ist es schwer, eine neue Stelle zu finden“, sagt Simone Hujer. Die heute 63-jährige Hamburgerin spricht aus Erfahrung. Vor zehn Jahren wurde sie erstmals für längere Zeit arbeitslos. Bis dahin war sie als Bucherhalterin für verschiedene Unternehmen im Baugewerbe sowie bei einer regionalen Kreishandwerkerschaft tätig.

Sie betont, dass sie sich rein fachlich jederzeit mit jüngeren Mitbewerbern messen konnte. Doch sie machte die Erfahrung, dass sie in ihrem Alter am Arbeitsmarkt nicht mehr gefragt war. Auf zahlreiche Bewerbungen folgte in der Regel prompt eine Absage.

„Ich wollte keine Karriere machen, sondern einfach nur arbeiten“, erinnert sie sich. Zwischenzeitlich fand sie eine Anstellung bei einem Mineralölkonzern, bevor sie schließlich mit 58 Jahren in die Zeitarbeit wechselte. Dort wurde sie unter anderem von Tempo-Team als Buchhalterin bei namhaften Unternehmen eingesetzt.

Aus Sicht von Simone Hujer bieten Frauen und Männer der Generation 50plus unabhängig von ihren fachlichen Kenntnissen zahlreiche Qualitäten, die sie als Arbeitnehmer wertvoll machen. Allen voran nennt sie den Faktor Arbeitsmoral. Die Hamburgerin hat die Erfahrung gemacht, dass ältere Beschäftigte ausgesprochen zuverlässig sind und ihre Aufgaben mit Fleiß erledigen.

Für sie ist das unter anderem eine Frage der Mentalität, die in ihrer Generation besonders ausgeprägt ist. Weitere Aspekte, die für ihre Altersgruppe sprechen, sind die große Lebens- und Berufserfahrung. Solche Mitarbeiter sind routiniert genug, um in kritischen Situationen souverän und lösungsorientiert zu bleiben. „Und im Gegensatz zu jüngeren Kollegen ist in der Regel die Familienplanung schon abgeschlossen“, so Simone Hujer. Entsprechend können Arbeitgeber mit solchem Personal langfristig planen.

Die Einschätzungen der 63-Jährigen decken sich mit den Erkenntnissen der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAUA). Wissenschaftler attestieren der Generation 50plus nach Angaben der Bundesanstalt ein hohes Maß an Urteilsfähigkeit, Sorgfalt, Motivation und Loyalität. Entsprechend rät die BAUA dazu, ältere Arbeitnehmer nicht nach etwaigen Defiziten, sondern nach ihren Kompetenzen zu beurteilen. Von einer vermeintlich geringeren Arbeitsfähigkeit älterer Menschen ist nicht auszugehen, heißt es in einer Erklärung der Anstalt. Vielmehr lässt sich die Leistungsfähigkeit durch eine sinnvolle und fordernde Arbeitsgestaltung sowie durch betriebliche Gesundheitsförderung nicht nur erhalten, sondern auch erweitern.

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